Bericht über den Besuch des Starnberger Schachclubs in Naumburg

vom 25. bis 27. Oktober 2002

 

8 Schachspieler vom Schachclub Starnberg begaben sich am Freitag, den 25. Oktober auf die Reise nach Naumburg: Martin Fuchs, Peter Heinrichsen, Matthias Schäfer, Gerhard Strecker, Safet Terzic, Hans-Georg Uffelmann, Stefan Winkler und Ulrich Fincke. Wir erwiderten damit einen Besuch unserer Naumburger Schachfreunde im September.

 

Das heißt eigentlich begann unsere Reise mit der Suche nach unserem Vereinsvorsitzenden, Matthias Schäfer. Über Handy erfuhren wir, dass er in einem Seminar festsaß, aber mit dem nächsten Zug nachkommen wolle. Die Fahrt war Dank Platzkarten recht angenehm. Auf Grund des Beginns der Herbstferien in Bayern waren alle Plätze und Gänge voll belegt. Mit Erzählen und Schachspielen verging die Zeit schnell und wir kamen fast pünktlich in Naumburg an. Unsere Schachfreunde holten uns vom Bahnhof ab und es ging direkt zum Schachclub in die Academica Naumburg. Die Räumlichkeiten beeindruckten uns sehr. Doch bevor wir Schachspielen durften, gab es erst einmal ein leckeres Buffet. Besonders loben möchte ich an dieser Stelle jene freundliche Dame, die sich um das Buffet und dann am ganzen Wochenende um unser leibliches Wohl kümmerte. Herzlichen Dank! Nach dem Essen wurde ein Blitzturnier durchgeführt, wo sich alle wacker schlugen. Insbesondere unser FM Safet Terzic konnte seine Stärke im Blitzen unter Beweis stellen, indem er alle Partien und damit das Turnier gewann. Selber schnitt ich, wie meist beim Blitzen, schlecht ab. Selbst die jüngsten Teilnehmer waren einfach schneller. Als ich gegen Robert Schünemann in einer totalen Gewinnstellung durch Zeitüberschreitung verlor, ärgerte ich mich zuerst. Als ich aber dann meinen noch sehr jungen Gegner mit hochgerissenen Armen und leuchtenden Augen vom Stuhl aufspringen und herumhüpfen sah, war ich entschädigt und freute mich für ihn. Nach dem Blitzturnier ging es in die Quartiere. Ich schlief die Nacht tief und fest und war ganz verwundert, als mir Stefan Winkler am Morgen etwas von Regen und Sturm erzählte.

 

Am Samstag, den 26. Oktober besuchten wir nach einem ausgiebigen Frühstück den Naumburger Dom. Die sachkundige Führung durch die Kirche erinnerte mich im Tonfall sehr stark an eine Predigt, was dem ganzen einen eigenen Reiz gab. Zutiefst beeindruckt waren wir von den Arbeiten des sogenannten Naumburger Meisters. Seine Figuren aus Stein hatten eine derartige Lebendigkeit, die uns noch nach Jahrhunderten staunen lässt.

 

Mittags suchten wir gemeinsam ein Restaurant in der Innenstadt auf, wo ausgerechnet eine „Bayerische Woche“ stattfand. Sollte da auf eine subtile Art Einfluss auf den Wettkampf am Nachmittag genommen werden? Ich aß eine Schweinshaxe, die ich in Bayern nie (!) bestelle. Andere bestellten Weißwurst, die eigentlich immer im Paar serviert wird. Aber nicht so in Sachsen-Anhalt. Es gab eine Wurst, und damit hatte es sich. Auch die Portion Kaiserschmarren war rein mengenmäßig eher gering bemessen. Geschmeckt hat es uns trotzdem!

 

Dann fand am Nachmittag der Mannschaftswettkampf statt. Wir überreichten unseren Schachgegnern noch je 2 Flaschen Weißbier, konnten sie aber nicht zum sofortigen trinken verführen. Somit behielten alle einen klaren Kopf. Safet Terzic „opferte“ seine hölzerne Dame und musste trotz zeitlicher Überlegenheit in ein Remis einwilligen. Matthias Schäfer gewann seine Partie, ebenso Gerhard Strecker und Hans-Georg Uffelmann. Martin Fuchs und ich selbst remisierten. Peter Heinrichsen musste sich geschlagen geben und auch Stefan Winkler. Er war besonders enttäuscht, denn er hatte gegen Jens-Frieder Mükke zwei Bauern und die Qualität gewonnen, dann aber ungenau weitergespielt. So verlor er die Revanchepartie. In Starnberg hatte er im September gegen denselben Gegner den einzigen Sieg für den Starnberger Schachclub geholt. Aber „Ende gut, alles gut“ gewann unsere Mannschaft mit 4 ½ zu 3 ½ Punkten. Unser Gegner war überrascht, und wir freuten uns über die gelungene Revanche für den verlorenen Wettkampf in Starnberg.

 

Den Abend verbrachten wir in einem Weinhaus in Freyburg, einer Nachbargemeinde von Naumburg. Wir befanden uns im Weinanbaugebiet Saale/Unstrut, welches zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bei einem vorzüglichen Essen mit Weinverkostung erfuhren wir von einer echten Weinprinzessin viel Wissenswertes über Wein und wie man ihn richtig verkostet. Dazu rezitierte sie Gedichte in Mundart, die mich stark an die Sprache meiner Kindheit in Halle an der Saale erinnerten. Nach dem Essen sangen und spielten 3 Sänger aus Gera in Zupfgeigenhansel-Art. Zum Unterhalten war es allerdings zu laut. Besser war, man lauschte einfach den mittelalterlichen Gesängen. Eine Tombola zugunsten der Flutopfer bescherte uns viele Preise, wobei Gerhard Strecker neben einer Flasche Wein und einem T-Shirt auch noch einen Fußball gewann! Dafür mussten andere von uns mit ein Schirmmütze der Krombacher Brauerei zufrieden sein ... Ich bin gespannt, ob sie die in den nächsten Wettkämpfen aufsetzen werden, um den Gegner zu verwirren.

 

Am Sonntag, den 27. Oktober mussten wir wählen. Ein Teil von uns nahm an einem Schnellschach-Turnier (Burgenland-Pokal) teil und konnte in dem gut besuchten Turnier ganz beachtlich mithalten. Safet Terzic ärgerte sich über seine letzte Partie, die er „verpatzte“ und damit den dritten Platz vergab. Am besten schnitt von unseren Spielern Matthias Schäfer ab, der zum Schluss den 5. Platz erreichte. Stefan Winkler, Hans-Georg Uffelmann und ich begaben uns in die Stadthalle, wo zur selben Zeit die Senioren-Blitz-Weltmeisterschaft durchgeführt wurde. Die alten Herren sollten sich eigentlich am Wochenende von den Strapazen der Senioren-Weltmeisterschaft erholen. Die Organisatoren hatten deshalb nur mit ca. 60 Spielern gerechnet. Aber sie hatten sich getäuscht, denn es kamen 108! An den vorderen Plätzen dominierte die russische Sprache und mancher Großmeister war zu sehen. Auch GM Malich, der für den Naumburger Schachclub am 1. Brett spielt, nahm an dem Turnier teil.

 

Dann hieß es Abschied von Naumburg und seinen sympathischen Schachspielern nehmen. Mit einigen Minuten Verspätung fuhr unser Zug ab, aber da ahnten wir nicht, was uns noch erwarten wird. Ein gewaltiger Sturm fegte über Deutschland hinweg und machte so manche Bahnstrecke unpassierbar. Auf Umwegen und mit Stunden Verspätung trafen wir in München ein. Schachspieler kann das aber kaum erschüttern – sofern sie ein Schachbrett dabei haben ...

 

Zum Abschluss möchte ich mich nochmals ganz herzlich bei unseren Naumburger Schachfreunden für die Gastfreundschaft bedanken. Ich persönlich würde mich freuen, wenn wir den Kontakt aufrecht erhalten.

 

Ulrich Fincke