Dubai Chess and Culture Club: Einfach märchenhaft!

 

Spiellokal? Eine völlig falsche und fast beleidigende Bezeichnung für diesen Schachpalast im Dubaier Stadtteil Al Manzar. Anlässlich meines Trips in die Vereinigten Arabischen Emirate hatte ich die Ehre, diese heiligen Hallen betreten zu dürfen. Mehr noch: Der Präsident des Clubs, der Ägypter Mohamad Al Husseiny, nahm sich mehr als eine Stunde Zeit für mich und führte mich in jeden Winkel dieses Mekkas des Schach.

 

Der Club hat mehr als 200 Mitglieder und ist als weltweit modernste Einrichtung seiner Art anerkannt. Los ging es schon vor der Tür. Es gibt einen Privatparkplatz, eigens für die Mitglieder des Schachclubs! Als ich das Foyer betrat, glitzerten mir links und rechts gleich zwei lange Vitrinenfronten entgegen, vollgepackt mit goldenen Pokalen. Ein Herr vom Empfang begleitete mich in den ersten Stock zum Büro des Präsidenten. Ich stellte mich vor und bekundete mein Interesse, dass wir anlässlich des 9. Dubai Opens im Frühjahr 2007 gerne eine kleine Delegation entsenden würden!

 

Herr Husseiny ließ einen Tee für mich servieren und informierte mich erschöpfend über Aktivitäten und Ausstattung des Clubs. Es werden ganzjährig unzählige Veranstaltungen durchgeführt. Insgesamt gibt es 19 hauptamtliche Mitarbeiter, vom Präsidenten bis zum Fahrer. Dazu werden mehrere Trainer beschäftigt, getrennt nach Geschlechtern, natürlich ausnahmslos Großmeister. Die meisten stammen aus Russland. Zusätzlich gibt es ausgebildete und erfahrene Jugendtrainer.

 

Extra für mich ließ der Präsident das Licht im Haupt-Spielsaal einschalten, um mir alles genau vorführen zu können. Dieser Saal, der für maximal 240 Spieler ausgelegt ist, bietet einfach alles an komfortabler Ausstattung, was man sich als Schachspieler wünscht.

 

Tommy aufgepasst: Es gibt einen speziellen, schallschluckenden Fußbodenbelag! Zustände wie im Gasthaus Förg in Untermühlhausen sind also ausgeschlossen! Fotografieren und Filmen ist nur von der Empore im 1. Stock erlaubt, um absolute Ruhe zu gewährleisten. Die Schachtische sind Spezialanfertigungen und wurden eigens aus Italien importiert. Sie verfügen über eine robuste und kratzfeste Oberfläche, da sie häufig stark von Kindern und Jugendlichen beansprucht werden. Außerdem sind die 64 Felder samt Koordinaten feine, handgefertigte Einlegearbeiten!

 

 

Die ersten 30 Tische verfügen über Sensorentechnik für Live-Übertragungen ins Internet. Das überdimensionale Demonstrationsbrett an der Bühnenwand verfügt über goldfarbene Figuren! (Nicht Weißgold, sondern Schwarzgold!). Ruft der Muezzin zum Gebet, werden alle Partien für einige Minuten unterbrochen. Ein extra Betraum ist vorhanden.

 

Es gibt mehrere Trainingsräume, alle ausgestattet mit modernster Technik wie PC, Video und Demobrett. Die Cafeteria samt Billardtischen ist unvergleichlich. Großzügige Platzverhältnisse und geschmackvolle Einrichtung sorgen für ein angenehmes Ambiente. Hier ist man einfach gern! Spiel- und Trainingsmöglich-keiten bestehen jeden Tag! Ist das nicht ein Traum? Die ganze Show wird von mehreren Firmen gesponsert, u. a. von einer großen Gas-Company. Unter solchen Bedingungen macht Schachorganisation richtig Spaß!

 

Der genaue Termin für das Open 2007 wird auf einer Pressekonferenz im Dezember bekannt gegeben. Die Terminierung erfolgt in Abstimmung zu wichtigen Schachereignissen in Russland und Europa, um einer möglichst großen Anzahl von Großmeistern die Teilnahme zu ermöglichen. Meist nehmen zwischen 40 und 50 Großmeister an dem Event teil. Aber keine bange: auch Spieler mit „normaler“ Spielstärke unserer Preisklasse sind anzutreffen.

 

Die Hotelbuchung sollte auf jeden Fall über den Präsidenten erfolgen. Mit ein wenig Glück könnte es sogar sein, dass wir freie Unterkunft erhalten. Darauf sollten wir uns allerdings nicht verlassen. Alternativ gibt es die Möglichkeit, in einer Art Jugendherberge für 50,- Dirham (ca. 11,- Euro) zu nächtigen. Man sieht also, Dubai ist auf jeden Fall auch für den kleinen Geldbeutel machbar.

 

Ich persönlich habe mir fest vorgenommen, im nächsten Jahr an diesen Ort zurück zu kehren, wenn der Dubai Chess and Culture Club anlässlich seines 9. Opens Ende April/Anfang Mai seine Pforten öffnet. Die Spielbedingungen und die Gastfreundschaft der Araber sind umwerfend! Und natürlich möchte ich nicht allein reisen. Wer also Interesse hat, meldet sich einfach bei mir. Ich halte losen Kontakt zum Präsidenten.

 

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Im Mai 2006: Stefan Winkler